SAP BW Query vs. SAP Datasphere Analytic Model: Warum Migration oft Neubau bedeutet
Blogartikel | Reporting & Analytics
Die Welt von SAP Data & Analytics befindet sich im Umbruch: Mit SAP Business Data Cloud und ihren neuen AI-Funktionen rückt die Modernisierung gewachsener Reporting-Landschaften stärker in den Fokus. Für viele Unternehmen stellt sich damit eine entscheidende Frage: Welche SAP BW Query-Logik sollte bewahrt, welche neu gedacht – und wie sinnvoll in ein SAP Datasphere Analytic Model überführt werden?
In vielen SAP-Landschaften sind SAP BW Queries seit Jahren der zentrale Ort für Reporting- und Analyselogik. Dort stecken komplexe Kennzahlen, Variablen, Strukturen und fachliche Regeln – oft gewachsen über viele Jahre. Mit dem Analytic Model in SAP Datasphere steht nun ein moderner Ansatz bereit, der diese Logik nicht einfach ersetzt, sondern neu einordnet.
Dieser Beitrag zeigt, worauf Unternehmen achten sollten, bevor sie bestehende SAP BW Query-Landschaften in Richtung SAP Datasphere weiterentwickeln – und warum die entscheidende Frage selten „Migration oder nicht?“ lautet.
SAPs strategische Richtung: Cloud, AI und Business Data Cloud
SAP richtet ihre Architektur für Data & Analytics zunehmend auf Cloud-Plattformen, AI-Funktionen und die SAP Business Data Cloud aus. Klassisches SAP BW steht in diesem Zielbild nicht mehr im Mittelpunkt.
Für Unternehmen heißt das nicht, dass bestehende BW-Systeme kurzfristig verschwinden. Es heißt aber: Die gewachsene BW-Query-Logik braucht eine klare Perspektive.
Entscheidend ist dabei weniger, ob sich eine Query technisch nachbauen lässt. Wichtiger ist, ob die enthaltene Geschäftslogik fachlich relevant ist und in eine moderne Analytics-Architektur passt.
Die SAP BW Query: Bewährt, aber historisch gewachsen
Die SAP BW Query ist seit vielen Jahren ein solides Element im SAP Business Warehouse. Sie selektiert Daten, bereitet sie für Analysen auf und stellt sie Frontend-Tools wie Analysis for Office oder SAP Analytics Cloud bereit.
Für Fachbereiche und Power-User ist sie häufig der zentrale Ort für Geschäftslogik: berechnete und eingeschränkte Kennzahlen, Variablen, Strukturen und Selektionslogiken werden hier gepflegt.
Genau daraus entsteht die Herausforderung: Viele Query-Landschaften spiegeln nicht nur aktuelle Anforderungen wider, sondern auch historische Architekturen, Toolgrenzen und frühere Modellierungsparadigmen.
Analytic Model in SAP Datasphere: Mehr als ein Query-Ersatz
Das Analytic Model in SAP Datasphere verfolgt einen anderen Ansatz als die klassische SAP BW Query. Es ist nicht nach Zeilen, Spalten und freien Merkmalen strukturiert, sondern modelliert fachliche Inhalte auf Basis von Views als Dimensions, Measures und Assoziationen für eine direkte Integration in die aktuellen SAP-Frontends SAP Analytics Cloud und das Analysis Office SAC-Add-in.
Während SAP BW Queries in der Regel auf Composite Providern/Multiprovidern aufsetzen, arbeitet Datasphere stärker mit flexiblen Modellierungsschichten. Die konkrete Darstellung der modellierten Measures und Dimensions entsteht stärker im Preview oder im jeweiligen Frontend. SAP Analytics Cloud kann über die InA-Schnittstelle direkt auf Analytic Models zugreifen – ohne den Umweg über SAC-Live-Modelle wie bei SAP BW Queries.
Strukturen, Variablen und SQL verändern die Arbeitsweise
Dieser Unterschied verändert auch die Arbeit mit Strukturen und Variablen. Eine klassische BW Query arbeitet häufig mit Zeilen, Spalten, freien Merkmalen und Strukturen. Im Analytic Model werden dagegen Measures und Dimensions modelliert. Die konkrete Darstellung entsteht stärker im Preview oder im jeweiligen Frontend.
Das betrifft auch Variablen: Sie hängen nicht mehr wie im BW direkt am InfoObject, sondern entstehen im Kontext des Analytic Views beziehungsweise Modells.
Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Punkt: SQL wird relevanter. Während viele BW-Logiken bislang stark über Query-Funktionen abgebildet wurden, eröffnet SQL in Datasphere neue Möglichkeiten für berechnete und eingeschränkte Kennzahlen, Filterlogiken und Transformationen.
Das bietet mehr Flexibilität, verlangt aber auch anderes Know-how – insbesondere bei Power Usern, Entwickler:innen und Fachbereichen.
Migration oder Neubau? Die falsche Frage kann zum falschen Projekt führen
Viele Unternehmen starten mit der naheliegenden Frage: Können wir unsere SAP BW Queries in SAP Datasphere migrieren?
Diese Frage greift oft zu kurz. Eine BW Query ist kein neutrales Modellierungsformat, sondern Ergebnis einer spezifischen SAP-BW-Architektur – inklusive historischer Rahmenbedingungen und gewachsener Fachlogik.
Die bessere Frage lautet daher:
Müssen wir unsere alte Lösung wirklich mit heutigen Tools 1:1 nachbauen?
In der Praxis sind vor allem zwei Szenarien relevant:
- Hybride Architektur
SAP Datasphere ergänzt bestehende SAP-BW-Systeme. Bewährte Queries bleiben teilweise im Einsatz, während neue Use Cases in Datasphere entstehen. - Greenfield SAP Datasphere
SAP Datasphere wird zur strategischen Plattform. Reporting-Prozesse, Modelle und Governance werden neu gedacht und aufgebaut.
In beiden Fällen gilt: Der richtige Weg ist individuell. Eine rein technische Übertragung der Query-Logik ist selten der beste Ansatz. Häufig liefert ein fachlich geführter Neubau den größeren Nutzen.
Welchen zusätzlichen Nutzen liefert das Analytic Model?
Der Mehrwert des Analytic Models zeigt sich nicht darin, alte BW-Queries möglichst originalgetreu nachzubauen. Interessant wird es dort, wo Fachbereiche ihre Reportinglogik endlich so aufbereiten können, wie sie im Alltag gebraucht wird: einheitlich modelliert, fachlich nachvollziehbar und ohne jedes Mal eine neue technische Einzellösung anzustoßen.
Der zentrale Aspekt ist die Etablierung einer Self-Service-Kultur. Nicht als Buzzword, sondern ganz praktisch: Fachbereiche, Power-User und auch neue Informationskonsumenten wie Data Scientists brauchen Zugriff auf die richtigen Daten, in der richtigen Granularität und mit einheitlicher Geschäftslogik dahinter. Genau dafür kann das Analytic Model die Grundlage schaffen. Es bündelt Logik in SAP Datasphere, macht sie wiederverwendbar und lässt sie in Frontends wie SAP Analytics Cloud oder Power BI nutzen. SQL-basierte Erweiterungen und die Einbindung eigener Daten, zum Beispiel über Flatfiles, sind dann kein Selbstzweck, sondern helfen, fachliche Anforderungen schneller und sauberer abzubilden.
Handlungsempfehlung: Erst analysieren, dann neu modellieren
Der Transfer von SAP BW Query-Logik in Richtung SAP Datasphere Analytic Model ist kein Fleißprojekt, bei dem möglichst viele alte Queries technisch nachgebaut werden sollten. Wer so startet, konserviert im Zweifel nur alte Komplexität in einer neuen Plattform. Der sinnvollere Einstieg ist unbequem, aber wesentlich zielführender: Wie will sich das Unternehmen künftig steuern – und welches Reporting braucht es dafür wirklich?
Auf Basis dieser Überlegungen lässt sich die bestehende SAP BW Query-Landschaft deutlich klarer bewerten: Welche SAP BW Queries werden wirklich gebraucht? Welche Geschäftslogik steuert heute relevante Entscheidungen? Und welche Logik ist nur noch Ballast, weil sie historisch gewachsen, redundant oder technisch bedingt entstanden ist? Genauso wichtig ist die konsequente Strategie, welche Inhalte künftig in SAP Datasphere modelliert werden, welcher Anteil davon bewusst ins Frontend gehört und welche Governance für Kennzahlen, Modelle und Verantwortlichkeiten gelten soll.
Gerade SQL-Kompetenz, saubere Governance und gezieltes Enablement von Power- und Key-Usern entscheiden darüber, ob aus der technischen Modernisierung ein echter fachlicher Mehrwert entsteht.
Fazit: Nicht die Query migrieren, sondern Reporting modernisieren
SAP Datasphere Analytic Models sind kein 1:1-Ersatz für SAP BW Queries. Sie folgen einer anderen Modellierungslogik, bieten mehr Flexibilität und schaffen eine bessere Anschlussfähigkeit an moderne Frontend- und Selfservice-Szenarien. Der Wechsel sollte deshalb als Chance verstanden werden, bestehende Reportingprozesse zu überprüfen, relevante Geschäftslogik zu bewahren und gewachsene Komplexität gezielt abzubauen.
Die zentrale Empfehlung lautet: Nicht jede alte SAP BW Query-Logik muss übernommen werden. Aber jede relevante Geschäftslogik muss verstanden, bewertet und zielgerichtet neu modelliert werden. Der eigentliche Mehrwert liegt nicht im technischen Nachbau historischer Strukturen, sondern in einer modernen, flexiblen und zukunftsfähigen Analytics-Architektur mit SAP Datasphere.
For an English version, please see: SAP BW Query vs. SAP Datasphere Analytic Model: Wh… – SAP Community
